Literarisches Schreiben
«Kluge Diagnosen einer Psychologin: Ruth Wittig überzeugt mit dem Erzählband „Camouflage“ als subtile Beobachterin unscheinbarer menschlicher Dramen.»
— Alexander Sury, Der Bund
«Nach ihrem Erstling, dem Erzählband „Camouflage“ von 2014, ist Ruth Wittig mit „Zu dritt“ ein Meisterstück gelungen. Der Roman überzeugt nicht nur durch die psychologische Feinzeichnung der Figuren, sondern auch durch Qualitäten eines Gesellschaftsromans und das Gespür für historische Zusammenhänge.»
— Daniel Rothenbühler, vollständige Rezension hier
«Eine Perle im Heuhaufen all der Neuerscheinungen: Intim und weltoffen, psychologisch genau, literarisch spannend, mit leisem Humor und überaus lesenswert.»
— Oliver Fründt von «VielSeitig & Büchergilde» über «Danke, wir können nicht klagen»
Seit den 1990er Jahren spielt das literarische Schreiben eine wichtige Rolle in meinem Leben. Meine Schreibsprache ist deutsch. 2014 konnte ich den Erzählband «Camouflage» im Paulusverlag Freiburg veröffentlichen. Im September 2019 erschien mein erster Roman mit dem Titel «Zu dritt», in dem es um verschiedene Dreieckskonstellationen geht. Der neueste Roman «Danke, wir können nicht klagen» (2026) erzählt in sechs Bildern von einem Paar, das sich sowohl miteinander als auch mit dem Älterwerden auseinandersetzen muss.
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Leseprobe aus «Danke, wir können nicht klagen»
«Hör auf», sagte Enzo. «Dass dein Vater eine Kriegsliebe hatte, mag ja stimmen, aber dass er sie in dir wieder auferstehen lassen wollte, halte ich für eine romantische Konstruktion. Fantasie kann auch zu weit gehen. Was hättest du davon, wenn es so wäre? Was würdest du gewinnen? Und was verlieren?»
Typische Psychiaterfragen.
«Man könnte meinen», fuhr Enzo fort, «dass du geradezu verliebt bist in diese Geschichte. In das Intensive, Leidenschaftliche, bei dem du eine Rolle spielen willst, die dir nicht zusteht. Dich als Stellvertreterin einer Verflossenen zu inszenieren, macht in meinen Augen wirklich keinen Sinn. Teilen wir uns ein Tiramisu? Oder die Torta de la Nonna, nein? Wirklich nur Kaffee? Das wird uns der Padrone nie verzeihen. Due espressi, per favore … si eccellente, delizioso, come sempre. Schreib drüber», sagte er im selben Atemzug, «das ist ein guter Stoff für einen Roman.»
Lene lehnte sich zurück. Der Kellner stellte zwei Tassen vor sie hin. Es war sehr warm im Lokal, noch immer waren alle Tische besetzt. Auf ihrer Untertasse lag ein kleiner runder Keks, sie steckte ihn in die Mund und biss ihn krachend entzwei. Für einen Vertreter seines Faches war Enzo erstaunlich faktenorientiert. Als wäre er nicht Psychiater, sondern Sanitärinstallateur. Rohrsysteme entkalken und neu verschrauben, durchspülen und fertig. Für bedeutsame Ablagerungen hatte er keinen Sinn. Sie schaute in sein erhitztes Gesicht. Marroniaugen, an den Rändern blau eingefasst. Er meinte es gut mit ihr, und sie mit ihm. Verständlich machen konnte sie sich trotzdem nicht.
Link zum Verlag: https://www.buecherlese.ch/

